Möbelledererzeugung

Teile des fertigen Leders

Frische Einarbeitung der Rohware

 Im Schlachthof wird die Haut abgezogen und in Schüttboxen gesammelt. Von dort wird die Rohhaut täglich direkt zur Gerberei gebracht. Früher wurde jede Haut zum Zwecke der Konservierung für die Zwischenlagerung gesalzen. Einige kg Salz/Haut mussten in den Gerbereien aus den Häuten gewaschen werden und belasteten vermeidbar die Umwelt. Moderne deutsche Gerbereien haben heute nur noch einen minimalen Reservebestand an gesalzenen Häuten für Versorgungsengpässe seitens der Rohware. Im Sommer werden die frischen Rohhäute mit Trockeneis für den Transport zur Gerberei behandelt, um Fäulnis vorzubeugen. Bei gemäßigten Temperaturen kann auch darauf verzichtet werden.


Die Einarbeitung zielt auf Reinigung der Haut von Blut und Dung mit anschließender Enthaarung. Danach werden Fleischrückstände von der Innenseite der Haut an der Entfleischmaschine abgeraspelt. Die hierbei anfallende Entfleischmasse wird zur Herstellung von Leim verarbeitet. Es kann aber auch Gelatine daraus gewonnen werden und die finden wir dann u.a. in den Gummibärchen wieder.


Es bleibt die Blöße, die reine Tierhaut.

 

Spalten

Ausnahme Dickleder (z.B. De Sede) wird nicht gespalten. Ansonsten gilt:

Die Blöße (die von Haaren und Fleischresten befreite Haut) wird in 2 Schichten gespalten (nicht mehr!).

Die obere Schicht, auf der vorher die Haare ihren Platz hatten, ist der Narben (zur Herstellung von Narbenleder; aus dieser Bezeichnung ist nicht abzuleiten, dass das Leder Narben hat. Die obere Schicht nennt man schlichtweg Narbenleder). Dieses Narbenleder wird zur Herstellung hochwertigen Möbelleders eingesetzt.

Die dem Fleisch zugewandte untere Schicht nennt man Spalt (zur Herstellung von Spaltleder im Ausland, wird daher exportiert). Spaltleder hat naturgemäß keine glatte Oberfläche. Wer daraus glattes Möbelleder machen will, muss eine recht massive Pigmentierung oder sogar Folie aufbringen, d.h. die Atmungsaktivität solchen Leders ist praktisch Null.

Gerbung

Gerbung ist Umwandlung der leichtverderblichen, in kaltem Wasser fäulnisfähigen, in warmen Wasser verleimbaren, hornartig und durchscheinend auftrocknenden tierischen Hautsubstanz durch vorbereitende Behandlung mit Gerbstoffen in wiederstandfähiges Leder, das in kaltem Wasser nicht fault und in warmem Wasser nicht verleimt.

Alles klar????

Das Wort stammt aus dem altdeutschen: Gareven = bereitmachen.

Die älteste bekannte Gerbung ist die Fettgerbung, bei der Jäger der Vorzeit die Haut mit dem Fett des Tieres gerbten und trockneten. Im Altertum und Mittelalter löste die Lohgerbung allmählich die Fettgerbung ab. Heute kennen wir diese pflanzliche Gerbung aus dem Bereich der Lederwaren- und Reitsportartikel. Versuche, vegetabile Möbelleder herzustellen, scheiterten bisher oft an der Weichheit des Endproduktes. Um dies zu korrigieren, griff man teilweise zu Weichmachern wie Gluthardialdehyd. Eine sehr strittige Lösung, da dies ein Stoff ist, der in der Gefahrstoffverordnung gelistet ist. Es handelt sich hierbei um § 16 der Gefahrstoffverordnung.

Wer also sog. „Bioleder“ angeboten bekommt, sollte sich unbedingt über diesen Sachverhalt schriftlich informieren lassen.

Die heute mit Abstand gebräuchlichste Gerbung ist die Chromgerbung. Das fertige Möbelleder enthält ca. 3% Chrom und keinen Stoff aus der Gefahrstoffverordnung. Auch der Verbrauch von Ressourcen spricht eindeutig für die Chromgerbung: Für die Gerbung von 100 Häutent werden ca. 180 kg Chromgerbstoffe benötigt. Zur pflanzlichen Gerbung von 100 Häuten müssen ca. 2-3.000 kg Rinde oder Früchte extrahiert werden, ein zweifellos ebenfalls ökologisch bedenklicher Punkt. Unabhängig von den ökologischen Fragen, die ein pflanzlich gegerbtes Leder aufwirft, ist eine quantitative Versorgung der Gerbereien mit Gerbstoffen durch den enormen Verbrauch nicht möglich.

Nach der Gerbung werden die Häute stärkenmäßig egalisiert, d.h. gefalzt. Von der Rückseite der Haut werden die sog. Falzspäne „abgeraspelt“. Diese werden teilweise mit Leim vermengt und mit einer Folie beschichtet. Von findigen Anbietern wird dieses Material als „Lederfaserstoff“ angeboten (kurz LeFa), um das Wort „Leder“ in der Bezeichnung zu führen. Damit führt man den Verbraucher häufig in die Irre, da es sich ja nicht um Leder handelt.

Färbung

Die gegerbte Haut wird im feuchten (Wetblue) oder getrocknetem (Chromcrust) Zustand sortiert. Die im Sortiment schlechtesten Häute werden als ASA (ArbeitsSchutzArtikel) für industriellen Schutz zu Schürzen u.ä. verarbeitet. Die besseren und die Spitzensortierungen gehen in die Polsterlederproduktion. Sie werden nun im Fass eingefärbt, wobei der Färbungsvorgang so lange dauert, bis eine vollständige Durchfärbung erreicht ist. Zum Einsatz kommen hier synthetische Farben, die für transparente Färbung sorgen. Im gefärbten, getrockneten Zustand nennt man die Ware Crustleder. Das Leder wird im Anschluss geklammert, um beim späteren Fertigleder zu starkes Dehnverhalten zu vermeiden.

Zurichtung = Pigmentierung

Wird die Haut im Anschluss nicht pigmentiert, so bekommt sie in der Regel eine Fassimprägnierung (meist Hydrophobierung) und wird als naturbelassen angeboten. Dieses Leder kann nicht so lichtecht und nicht so strapazierfähig sein wie ein pigmentiertes Leder. In modernen deutschen Gerbereien werden die Zurichtfarben mittels Computer gemischt und auf die Haut gedruckt oder gespritzt. Bei dieser Pigmentierung handelt es sich um eine lösungsmittelfreie = wasserlösliche Polyurethandispersion, die mit Pigmenten angefärbt wird. Im Gegensatz zu der einfarbigen Pigmentierung besteht auch die Möglichkeit, einen Zweifarbeneffekt zu drucken.

Fleckschutz

Sämtliche Leder unserer Kollektion sind mit einer Hydrophobierung ausgerüstet. Hierbei findet, einfach gesagt, eine Ölummantelung der einzelnen Lederfasern statt.

Diese wird nach der Färbung im Fass in die Haut gespült.

Die zusätzliche Pigmentierung – nicht beim naturbelassenen Artikel HORIZON- dient der Optimierung der Strapazierfähigkeit.


Sämtliche Produkte unseres Hauses erfüllen oder übertreffen die deutschen Polsterledergüterichtlinien, die physikalisch messbare Werte wie Lichtechtheit, Abrieb (nass, trocken, Schweiß), Haftung der Zurichtung, Weiterreißfestigkeit, Stichausreißfestigkeit u.a. beinhalten (siehe technische Datenblätter).


 

Verschieden Lederarten:

naturbelassenes Leder:

hydrophobiert, nicht pigmentiert (auch Anilinleder genannt)
Lichtechtheitsstufe 3
Zeigt viele Naturmerkmale
Natürlich empfindlicher als pigmentiertes Leder
kann verspecken
Mit oder ohne Druckeffekt
G+H Leder-Bezeichnung: HORIZON mit Druckeffekt

Nubukleder:

wie naturbelassenes Leder, jedoch mit geschliffener
Oberfläche
Ebenfalls empfindlicher als pigmentiertes Leder
Neigt zur Verspeckung

Semianilinleder

hydrophobiert, pigmentiert
Einige Naturmerkmale sichtbar
Lichtechtheitsstufe 4, uni oder zweifarbig
Ideal für Wohnraum und Objektbereich
G+H Leder-Bezeichnung: CASA
oder zweifarbig CASA-MOSAIK

Objektleder

hydrophobiert, leicht angeschliffen, danach pigmentiert
fein genarbt. Wenig Naturmerkmale sichtbar
Lichtechtheitsstufe 5, uni oder zweifarbig
Ideal für Wohnraum und Objektbereich
G+H Leder-Bezeichnung: PROTEKT, ARIANA

Dickleder

1,4-1,6 mm oder stärker. Vollnarbig oder vor dem Pigmentieren leicht angeschliffen.
Geprägt
Ideal für Wohnraum und Objektbereich
G+H Leder-Bezeichnung: DINO

Autoleder

übersetzt (kombiniert chrom-pflanzlich) gegerbt
daher recht fest. Stark pigmentiert

Wasserbüffelleder

Rohware aus Thailand (dort ist der Büffel Haustier und daher nicht artengeschützt).
Fertig importiert für konsumige Garnituren (meist Patch-Work).
Qualitativ hochwertige Ware wird in Deutschland aus importierten Chromcrust (= gegerbt, getrocknet) entgerbt und neu gearbeitet.
Mit Hydrophobierung.
Zeigen viele Naturmerkmale wie Insektenstiche, Zeckenbisse und Scheuerstellen.
G+H Leder-Bezeichnung: BUFFALO

Handwischleder

pigmentiert und anschließend mit dunkler Effektfarbe gedeckt.
Diese Effektfarbe wird mit Schwämmen ausgerieben, um den Antikeffekt zu erzeugen.
Ideal für Wohnraum und Objektbereich.
G+H Leder-Bezeichnung: ROYAL
oder genarbt HISTORY

Spaltleder:

auch als Rauhleder bezeichnet-
ist eigentlich kein richtiges Leder, da abgeschabt von der Unterhaut
recht minderwertiges Leder oder beschichtet
möchten wir nicht anbieten.